Jahrestagung des Netzwerks Finanzkompetenz NRW 2026

Am 5. und 6. März 2026 fand in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim an der Ruhr die erste Jahrestagung des Netzwerks Finanzkompetenz Nordrhein-Westfalen statt.

(06.03.26)


 

Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Schule, Verbraucherbildung und Praxis kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Projekte im Bereich der finanziellen Bildung zu diskutieren und sich über erfolgreiche Ansätze auszutauschen.

Die Tagung bot ein vielfältiges Programm mit Fachvorträgen, Projektvorstellungen und Austauschformaten. Ziel der Veranstaltung war es, Impulse für eine stärkere Verankerung finanzieller Bildung zu setzen und die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks weiter auszubauen.


Begrüßung und Einführung

Die Veranstaltung wurde durch Sandra Eckert und Jonathan Falkenberg vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Manuel Froitzheim von der Universität Siegen eröffnet. In ihren Grußworten betonten sie die Bedeutung finanzieller und verbraucherbezogener Bildung für die gesellschaftliche Teilhabe und die Fähigkeit, informierte wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen.

Wann ist eine Bank eine Bank?

Den ersten Fachvortrag hielt Ralf Zimmermann von der Deutschen Bundesbank. Unter dem Titel „Wann ist eine Bank eine Bank?“ erläuterte er die rechtlichen Grundlagen des deutschen Finanzsystems und ging insbesondere auf die Abgrenzung zwischen Kreditinstituten und Finanzdienstleistungsinstituten ein.

Dabei wurde deutlich, dass sich das Finanzsystem in den vergangenen Jahren stark verändert hat: Neben klassischen Banken spielen heute zunehmend spezialisierte Finanzdienstleister eine Rolle. Für viele dieser Akteure gelten umfangreiche Erlaubnis- und Aufsichtspflichten, etwa durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Der Vortrag bot den Teilnehmenden einen praxisnahen Einblick in aktuelle Entwicklungen im Finanzsystem und lieferte wichtige Grundlagen für die Vermittlung entsprechender Inhalte in der Bildungsarbeit.


Faktencheck Finanzen

Im Anschluss stellte Marian Kulig von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Format „Faktencheck Finanzen“ vor. Ziel dieses Angebots ist es Informationen für die Plattform TikTok aufzubereiten. Neue Stationen der Schülerakademie Finanzkompetenz Am Nachmittag präsentierte das Team der Digitalen Wirtschaftsbildung in Siegen (DiWiS) neue Stationen der Schülerakademie Finanzkompetenz, die speziell für den Einsatz an Berufskollegs entwickelt wurden. Die neuen Stationen verbinden typische Inhalte der beruflichen Bildung mit lebensnahen Entscheidungsfragen junger Menschen. Beispiele sind etwa der Vergleich von Mobilitätsoptionen (Auto kaufen, finanzieren oder leasen) oder die Analyse von Energieverbrauch und Stromkosten. Ziel ist es, finanzielle Entscheidungen in realistischen Alltagssituationen erlebbar zu machen.


Happy Life Game – ein Lernspiel zur finanziellen Bildung

Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung des „Happy Life Game“ durch Andrea Maria Pfändler. Das Lernspiel wurde im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit zur Förderung von Financial Literacy entwickelt und richtet sich insbesondere an junge Erwachsene.

Im Spiel treffen die Teilnehmenden finanzielle Entscheidungen entlang eines simulierten Lebensverlaufs – vom Berufseinstieg bis zur Rente. Dabei geht es unter anderem um Budgetplanung, Versicherungen, Sparen, Investieren und den Umgang mit Risiken. Ziel ist es nicht, möglichst reich zu werden, sondern langfristig ein gutes Gleichgewicht zwischen finanziellen Entscheidungen und Lebenszufriedenheit zu erreichen.


Projekt FiBiWELL: Verbraucher- und Finanzbildung evidenzbasiert gestalten

Zum Abschluss des ersten Tages stellten Manuel Froitzheim das Forschungsprojekt FiBiWELL vor. Das Projekt untersucht, wie digitale Lernaufgaben in der finanziellen Bildung gestaltet sein müssen, um nachhaltige Lern- und Entscheidungsprozesse zu fördern.


Zweiter Tag: Unterrichtspraxis und Austausch Der zweite Tag der Jahrestagung widmete sich stärker praxisorientierten Themen.

Den Auftakt machte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit der Vorstellung des Unterrichtsmaterials „Vertriebsmaschen“. Das Material richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene und vermittelt Strategien, um manipulative Verkaufstechniken zu erkennen und selbstbewusst darauf zu reagieren. In Rollenspielen üben die Lernenden typische Verkaufssituationen und entwickeln gemeinsam Gegenstrategien.

Im Anschluss stellte Sarah Jasmine Ernst (Lernende Region – Netzwerk Köln e.V.) das Konzept „Finanzielle Gesundheit für Eltern (FGE)“ vor, das sich an Familien richtet und Eltern bei der Stärkung ihrer finanziellen Handlungskompetenz unterstützt.

Ein weiterer Programmpunkt war ein Austauschformat zum Thema Binnendifferenzierung und Leistungsniveaus. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Lernende sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Binnendifferenzierung ermöglicht es, Lernangebote an unterschiedliche Lernstände, Interessen und Lernwege anzupassen und so allen Schülerinnen und Schülern eine aktive Teilhabe zu ermöglichen.

Ergänzt wurde das Programm durch Praxisberichte, unter anderem aus der Schuldenprävention in Düsseldorf, die aus Erfahrungen der Förderschulen berichtete.


Austausch und Vernetzung

Neben den inhaltlichen Programmpunkten bot die Jahrestagung zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Die Teilnehmenden diskutierten aktuelle Herausforderungen der finanziellen Bildung, tauschten Materialien und Erfahrungen aus und entwickelten neue Ideen für Kooperationen.